Malala Yousafzai mit Christina Lamb: Ich bin Malala

„Ich hatte zwei Optionen, die eine war, zu schweigen und darauf zu warten, getötet zu werden. Und die zweite war, die Stimme zu erheben und dann getötet zu werden. Ich habe mich für die zweite entschieden.“

Malala Yousafzai

Heute möchte ich Euch das beeindruckende Buch „Ich bin Malala“ vorstellen, das 2013 beim Droemer Knaur Verlag erschien. Alleine das farbenfrohe Buchcover hat mir schon sehr gut gefallen und die trüben Herbsttage versüßt.

Das Buch ist die Autobiografie der heute 18-Jährigen, aus Pakistan stammenden, Malala Yousafzai, die 2014 den Friedensnobelpreis erhielt. Sie ist die jüngste Friedensnobelpreisträgerin und setzt sich für die Schulbildung von Mädchen und Frauen ein. Die Autobiografie von Malala wurde jetzt auch verfilmt und ist ab dem 22. Oktober auf der Kinoleinwand zu sehen.

Die Geburt eines Mädchens

Malala wurde am 10. Juli 1997 in Pakistan, im Swat-Tal geboren.
Fragt man in Deutschland werdende Eltern nach dem „Wunschgeschlecht“ ihres Kindes, bekommt man eigentlich immer ein und dieselbe Antwort: „Das ist egal, Hauptsache das Kind ist gesund.“ In Pakistan ist das anders.

„Ich war ein Mädchen, und ich war in einem Land zur Welt gekommen, in dem zur Feier der Geburt eines Sohnes Gewährschüsse abgefeuert werden, wogegen man Töchter hinter einem Vorhang versteckt,“ erklärt Malala. Die Rolle einer Frau in Pakistan ist es, für das Essen zu sorgen und Kinder zur Welt zu bringen. Die Geburt eines Mädchens ist für viele Eltern ein düsterer Tag. Am siebten Tag nach der Geburt eines Kindes wird der Tradition zufolge ein Fest gefeiert. Malalas Eltern konnten dieses Fest nicht feiern, da sie nicht genug Geld zur Verköstigung der Gäste hatten. Malalas Großvater wollte die Familie bei Malalas Geburt nicht finanziell unterstützen, da Malala kein Jung war.

Malalas Vater steht immer hinter ihr

Malalas Vater ist ein außergewöhnlicher Paschtune, er stand von Geburt an hinter seiner Tochter, verehrt sie und kämpft für sie. Er wusste von Anfang an, dass Malala ein besonders Mädchen ist, und bat seine Freunde, getrocknete Feigen, Süßigkeiten und Münzen, in die Wiege zu legen. Dieser Brauch wird sonst nur bei der Geburt von Jungen angewandt. Hätte Malala nicht einen gebildeten und starken Vater gehabt, wäre auch ihr all das vorenthalten worden und sie wäre nicht das außergewöhnliche Mädchen, das sie heute ist.
2007 zogen die Taliban im Swat-Tal ein. Alles fing mit dem „Radio-Mullah“ an, einem eigenen Radiosender des Anführers der Taliban, Maulana Fazlullah. Fazlullah ging anfangs geschickt vor und wickelte das Volk ein. Er gab sich als islamischer Erneuerer und guter Ausleger des Korans aus. Nach und nach ermahnte Radio-Mullah das Volk immer mehr und verbot ihnen Filme zu sehen, Musik zu hören, Spiele zu spielen. Da das alles unislamisch und zu westlich wäre. Frauen durften das Haus nur noch in Burkas verhüllt verlassen. Die Männer durften sich nicht mehr rasieren. Zum Schluss durften die Mädchen nicht mehr zur Schule gehen. Doch Malala ließ sich nicht einschüchtern, sie gab immer wieder öffentlich Interviews und wiedersetzte sich den Verboten. Sie schwieg nicht und machte sich stark für ihre Rechte.

Flüchtlinge im eigenen Land

Die Lage spitze sich immer mehr zu und es kam zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen der Armee und den Taliban. Die ständige Angst durch die immer näher kommenden Schusswechsel, zwang Malalas Familie kurzzeitig ihre Heimat, das Swat-Tal, zu verlassen. Am 5. Mai 2009 wurden sie für fast drei Monate zu Flüchtlingen im eigenen Land. Als sich die Situation beruhigt hat und die Taliban angeblich vertrieben waren, kehrten sie zurück.
Malalas Vater erhielt oft Drohbriefe der Taliban, die ihn zum Schweigen bringen wollten. Malala war immer der Meinung, dass die Taliban Kindern nichts tun und blieb stark.
Am 9. Oktober 2012 trat ein Kämpfer der Taliban vor den Schulbus von Malalas Schule und fragte, wer Malala sei. Der Mann gab drei Schüsse ab, die erste Kugel trifft Malala in den Kopf, die anderen beiden verwundeten ihre Sitznachbarinnen. Doch Malala überlebte den Angriff. Ohne das Bewusstsein wieder zu erlangen, wurde sie aus Pakistan ausgeflogen. Heute lebt Malala mit ihren Eltern und ihren zwei jüngeren Brüdern, Khushal und Atal, in Birmingham. Trotz allen Vorkommnissen vermisst Malala ihre Heimat, ihr geliebtes Swat-Tal, und will schnellstmöglich dorthin zurück.

Ein Stück Kulturgeschichte
Der Leser lernt in „Ich bin Malala“ nicht nur Malala kennen, ein Mädchen, dass schon als Jugendliche mehr Herz und Verstand hatte, als viele Erwachsene, sondern auch ihre Familie, ihre Religion, das Land aus dem sie stammt und ihre Kultur. Die ersten 100 Seiten sind teilweise etwas schleppend, da Malala sehr detailliert erzählt und der Leser mit vielen Namen konfrontiert wird. Die Autobiografie ist unheimlich interessant und holt einen auf den Boden der Tatsachen zurück. Zu erfahren, dass in Pakistan Mädchen nicht zur Schule gehen dürfen, Frauen nicht ohne männliche Begleitung das Haus verlassen dürfen und Lebensmittel wie Sahne oder Eier Männern vorbehalten sind, stimmt einen nachdenklich. Nichtsdestotrotz sollte Ihr das Buch unbedingt lesen, um Malala zu unterstützen und mehr über diese beeindruckende junge Frau zu erfahren.

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