Christian Grass: DER IRRWEG … des Herrn Karl

 

Karl Wegmann, Inhaber mehrerer zeit- und geschmackloser Souvenirläden in der Schweiz, ist in seiner Ehe einsam und gefangen. Unverstanden und unzufrieden mit allen Lebensumständen fristet er ein monotones Dasein. Der brennende Wunsch, aus seinem lieblosen Leben auszubrechen, wird zur Wahnidee. Er folgt zunächst einer dubiosen, virtuellen Bekanntschaft nach Marokko. Dort ist das beginnende Drama dann nicht mehr aufzuhalten: Die Begegnung mit dem 23 Jahre jüngeren Touareg Abdu scheint zunächst eine wegweisende Fügung zu sein. Doch aus der abgrundtiefen Sehnsucht nach Geborgenheit und Akzeptanz wird ein fatales Hirngespinst, welches in ein Desaster mündet …

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Der Roman „DER IRRWEG … des Herrn Karl“ erschien 2015 im Novum Verlag.
Das Cover besticht durch ein eindrucksvolles und wirklich passendes Motiv, das durch die Farbgebung ein echter Hingucker ist. Das Covermotiv erinnerte mich direkt auf den ersten Blick an das Gemälde „Der Wanderer über dem Nebelmeer“ von Caspar David Friedrich aus dem Jahr 1818.

„DER IRRWEG … des Herrn Karl“ handelt von dem 48- jährigen Karl Wegmann, für den Frust, Leid und ein monotoner Alltag das Ergebnis einst großer Träume sind. Seine deprimierende Ehe, seine ihn demütigende Frau, die gehässige Schwiegermutter, seinen einzigen „Freund“ sowie seinen elementaren Lebensinhalt, die drei Souvenirläden, – all dies lernt der Leser kennen: Er wandelt auf den Spuren des Illusionisten, Karl Wegmann, der verzweifelt hofft, dass er den Weg hin zu Freiheit, Glück und Liebe findet. Durch den Roman wird der Leser von einem tiefgründigen Erzähler geführt, der Einblicke in vergangenes und gegenwärtiges Leben sowie in die verborgenen Wünsche und Sehnsüchte des Karl Wegmann gewährt. Der Roman ist so authentisch geschrieben, dass man mit Karl leidet und ihn auf seinem Irrweg teilweise kräftig schütteln möchte. Gerade in der ersten Hälfte des Buches werden die Monotonie und der träge Alltag von Karl, sehr gut beschrieben. Die feine Stilistik sowie der Schreibstil sind auf die Handlung abgestimmt und spiegeln die Unzufriedenheit, aber auch die Rastlosigkeit von Karl, wider. Der Schreibstil und die Wortwahl zeigen, dass der Autor, sein „Handwerk unterhaltsamer Literatur“ beherrscht. Der Roman lässt sich flüssig lesen und die Worte reflektieren perfekt die unterschiedlichen Gemütsverfassungen von Karl Wegmann. Als Leser fiebert man die ganze Zeit mit und fragt sich, wie das Buch wohl ausgeht, obwohl die Handlung einen leisen Verdacht aufkommen lässt und man ahnt irgendwann sein Ende. Als ich jedoch auf der letzten Seite des Buches angelangt war, wurde ich von dem Finale vollkommen überrascht; damit hatte ich wirklich nicht gerechnet. Meiner Meinung nach, also ein unvorhergesehenes, aber wirklich gut gewähltes Ende, welches zum Protagonisten, Karl Wegmann, passt. Alles in allem ist das Buch wirklich stimmig, der Schreibstil sowie die Handlung sind komplett auf das Wesen und Leben von Karl Wegmann abgestimmt.

Christian Grass hat mit diesem, seinem zweiten Roman, ein Lesevergnügen für Leser geschaffen, die einen Anspruch an intellektuelle Unterhaltung haben. „DER IRRWEG … des Herrn Karl“ ist ein besonderes Buch, das Liebhabern klassischer Literatur und pointierter Gesellschaftskritik gefallen wird. Der Roman ist Ausdruck der generellen Frage nach der „Wahrheit des Lebens“ und regt zum Nachdenken an.

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