Henning Mankell: Mörder ohne Gesicht

 Lesenlieben-Henning Mankell-Mörder ohne Gesicht

Ein altes Bauernpaar ist auf seinem Hof ermordet worden. Nicht nur das Motiv der Tat liegt völlig im Dunkeln, vor allem deren furchtbare Brutalität irritiert die ermittelnden Polizisten um Kurt Wallander. Und dann hatte die alte Bäuerin, kurz bevor sie im Krankenhaus starb, den Beamten noch einen letzten, seltsamen Hinweis gegeben … Es war schlimmer, als er es sich vorgestellt hatte. Viel schlimmer. Später würde er sagen, daß es das Schlimmste war, was er je gesehen hatte. Und dabei hatte er weiß Gott schon eine Menge gesehen.  Quelle

Der Roman „Mörder ohne Gesicht des schwedischen Autors Henning Mankell erschien erstmals 1993 in Deutschland und ist der Auftakt der 12-bändigen Wallander-Reihe.

In einem kleinen Dorf in Südschweden wird ein altes Ehepaar brutal ermordet. Der befreundete Nachbar wird nachts wach und stellt merkwürdige Dinge fest.  Als die Polizei eintrifft, ist das Schlafzimmer des Bauernpaares blutverschmiert, der bestialisch hingerichtete Mann ist tot, seine Frau ist lebensgefährlich verletzt und verstirbt einige Stunden später im Krankenhaus. Kommissar Kurt Wallander übernimmt den Fall. Die Bauersleute waren laut der befreundeten Nachbarn bettelarm und hatten keine Feinde. Einzig ein seltsamer Knoten, der der Frau um den Hals gelegt war, deutet den Hauch einer Spur an. Der Fall gewinnt an Brisanz, als die Frau unmittelbar vor ihrem Tod aus dem Koma erwacht und ein paar Mal das Wort „Ausländer“ flüstert. Wallander ahnt, wie viel Unruhe dieses Detail in der Bevölkerung stiften wird, die durch die Asylpolitik von Schweden arg verunsichert ist. Dennoch sickert die Information durch eine intern undichte Stelle an die Öffentlichkeit…

Ein netter Krimi für zwischendurch

Der Roman „Mörder ohne Gesicht“ war für mich auch gleichzeitig das erste Buch, das ich von Mankell gelesen habe.
Der Schreibstil von Henning Mankell gefiel mir sehr gut. Das Buch lässt sich flüssig und ohne Stolpern lesen. Auch der Ermittler Kurt Wallander erschien mir sympathisch, auch wenn er an manchen Stellen sehr überfordert mit sich und dem Leben ist. Er „verliebt“ sich, wie ein Teenie, Hals über Kopf in die neue Staatsanwältin, fährt betrunken in eine Polizeikontrolle seiner Kollegen und isst so schnell, dass er sich anschließend fast in die Hose macht.
An anderen Stellen wiederum muss er sich mit seinem alternden und senil gewordenen Vater auseinandersetzten und fragt sich zum Beispiel, wie man seinem eigenen Vater sagt, dass er stinkt.
Die Ermordung ist zwar brutal, wird aber nicht detailliert geschildert, sodass sich der Leser die Brutalität lediglich vorstellt und nicht 1 zu 1 nachlesen, muss. Der Mordfall und die Ermittlung schreiten zu Beginn des Romans noch gut vorran, kurz vor dem Ende findet jedoch eine enorme Zeitraffung statt. Der Fall gerät ins Stocken und die Handlung plätschert vor sich hin. Doch plötzlich hat Wallander eine Eingebung, die den Fall zum Abschluss bringt. Dementsprechend plötzlich kam auch das Ende des Romans. Die Spannung ist bei mir leider während des gesamten Buches ausgeblieben.

Kritik an der Asylpolitik Schwedens

Der Roman von 1991 (Veröffentlichung in Schweden) spiegelt die damalige Flüchtlingspolitik des Landes wieder. Wenn man nicht wüsste, dass der Roman nicht aktuell ist, könnte man denken, dass er Mitte 2015 veröffentlicht wurde. Immer wieder spielt die damalige Asylpolitik Schwedens eine große Rolle in dem Krimi, die Lage in den Flüchtlingsheimen, aber auch der Umgang zwischen den Einwohnern Schwedens und den Flüchtlingen wird thematisiert. Die Meinung Hennig Mankells zu der offenen Asylpolitik Schwedens lässt sich deutlich herauslesen.

ACHTUNG SPOILER:
Gerade das Ende, das Mankell wählte, ist eher kontraproduktiv, um für mehr Toleranz und ein herzliches Miteinander zu plädieren.

Insgesamt war der Roman ganz nett und gut gemacht, um die Figur Kurt Wallander einzuführen bzw. dem Leser näherzubringen. Die Ermittlung des Mordfalles jedoch war unspektakulär, langatmig und nicht wirklich spannend. Um den Erfolg der Wallander-Reihe nachvollziehen zu können, werde ich bestimmt noch das ein oder andere Buch davon lesen.

Ihr seid noch auf der Suche nach einem spannenden Thriller? Dann kann ich Euch Träum was böses von C.L. Taylor empfehlen.

Advertisements

Ein Gedanke zu “Henning Mankell: Mörder ohne Gesicht

  1. Pingback: Karen Rose: Nie wirst du entkommen | Lesenlieben

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s