Ulrike Reinker: Brehm 46

Brehm46

Ein altes Mietshaus an einer stark befahrenen Straße im Norden Düsseldorfs. Elf verkrachte Existenzen jeden Alters, die unter einem Dach in verschiedenen Welten leben, und von hier aus ihrer Wege ziehen. Eine alte schrullige Dame ist das Herzstück des Hauses. Sie lebt seit sechzig Jahren hier und hat alles im Griff. Bis ihr alles entgleitet. Eine ebenso junge wie schwangere Kunststudentin, ein achtzehnjähriger schwuler Moslem und sein heterosexueller Freund, eine einsame Linke mit ihrer Tochter, eine alte Schachtel und deren Schwester, ein Knutsch-pärchen, und eine Schauspielerin, die ihren Lebensunterhalt als Porno-Synchronsprecherin verdient. Bei allen läuft etwas quer, steht schief und sperrig im Weg und verdeckt bisweilen die Sonne. Die Gefühle, die bucklige Verwandtschaft, die Herkunft, das eigene Ego. Sie alle machen ihren Weg. Es kann nur noch etwas dauern. Die Geschichten begegnen sich im Treppenhaus. Abwegig, verrückt, urkomisch und schrecklich. Also alles recht normal. Quelle

 

„Brehm 46“ erschien letztes Jahr beim Conte Verlag.

Der Roman „Brehm 46“ von Ulrike Reinker besteht aus insgesamt 6 Kurzgeschichten, die allesamt genauso geschlossen sind wie die einzelnen Wohnungen selbst. Die Geschichten porträtieren die ganz unterschiedlichen Lebenssituationen der 6 Parteien des Wohnhauses auf der Brehmstraße Nummer 46. Manchmal ergänzen sich die einzelnen Geschichten durch zufällige Begegnungen der Nachbarn im Treppenhaus.
Von Geschichte zu Geschichte wachsen einem die Bewohner mehr ans Herz. Je weiter man liest, desto mehr hat man selbst das Gefühl neu eingezogen zu sein und seine Nachbarn kennenzulernen. Die einzelnen Geschichten könnten unterschiedlicher nicht sein, von Drama bis Komik ist alles dabei. Jeder Bewohner hat seine ganz eigene Lebenssituation, die alles andere als langweilig oder 0815 ist und man stellt sich eigentlich immer nur eine Frage: Wie geht es weiter?

Ein guter Nachbar ist ein edel Kleinod

Alleine das farbenfrohe Cover bringt schon gute Laune und hinterlässt einen positiven ersten Eindruck. Besonders gut gefallen hat mir auch das Lesebändchen, (heißt das so?) das in das Buch eingebunden ist. Eine wirklich tolle Erfindung, gerade für Leute wie mich, die andauernd ihre Lesezeichen verlegen. Leider hab ich seit langem schon kein Buch mit Lesebändchen mehr gelesen, es scheint auszusterben.
Der Schreibstil, der während des Prologs noch gewöhnungsbedürftig erscheint, passt sich den einzelnen Personen an und lässt sie dadurch sehr authentisch wirken. So ist natürlich die Sprache von der alten Dame, Frau Althaus, ganz anders, als die von den beiden Jungs Enis und Paul, die im 4. OG wohnen. Da Ulrike Reinker immer aus der Ich-Perspektive erzählt, lässt sie die Leser an der Gefühlswelt ihrer Protagonisten teilhaben und erklärt mit Hilfe von Rückblenden, warum, die Person so ist, wie sie ist. Denn eins haben alle Personen in Hausnummer 46 gemeinsam: Probleme und Sorgen. Der Autorin ist es hervorragend gelungen, den Leser mit den einzelnen Geschichten zu fesseln, auch wenn ich sagen muss, dass die erste Geschichte doch etwas zäh und im Vergleich zu den Anderen langweilig ist.
Der Roman zeigt sehr schön, dass man den Menschen eben nur vor den Kopf gucken kann und meist gar keine Ahnung hat, wie es hinter der Fassade oder auch in den eigenen vier Wänden aussieht.
Auch die Wohnumgebung spielt in dem Roman eine große Rolle, so geht z.B. die Tochter von Ute aus dem 3. OG in die Gemeinschaftsgrundschule Lennéstraße, Herr Born und Frau Hirsch aus dem 1. OG organisieren einen Flashmob im Ab der Fisch und Claudia Havelmann, die im Erdgeschoss wohnt, lässt sich auf der Rheinkirmes die Zukunft vorhersagen. Alles in allem ist der Roman „Brehm 46“ wirklich ein schöner Roman, der Einblick in fremde Leben gibt und die Möglichkeit bietet skurrile Persönlichkeiten kennenzulernen.
Der Epilog, in dem die Autorin ein mögliches Ende der einzelnen Geschichten präsentiert, hat mir sehr gut gefallen. Durch den Zusatz „Ja, so könnte es sein. Es könnte aber auch ganz anders sein.“ lässt sie das Ende offen und verrät aber auch noch, dass es eine Fortsetzung geben wird, wenn „Brehm 46“ ein Erfolg wird. Ich hoffe sehr, dass es eine Fortsetzung gibt, das Buch macht wirklich Lust auf mehr!

Kennt Ihr schon den Roman „DER IRRWEG … des Herrn Karl“?

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